“In Bern haben Sie Riesenangst vor uns” erklärt alt Bundesrat und SVP-Schattenboss Christoph Blocher in einem Interview mit der Zeitung sonntag.ch. Ehrlich gesagt, hängt mir die SVP (vor allem der Zürcher Stil) vollends zum Hals heraus. Was da abgeht, ist kaum zu glauben. Wehret den Anfängen kann man mit Blick auf die nächsten Wahlen nur sagen.
Auch ich habe die SVP gewählt. Genauer habe ich eigentlich die Politiker gewählt, und zwar lokale. Dies mit der Überzeugung, dass sie sich persönlich engagieren und etwaige bürgerliche Entgleisungen auch ein wenig entschärfen helfen können. Ich bin nun eines Besseres belehrt und werde beispielsweise Ursula Haller und all die Anderen nicht mehr wählen. Denn ich will nicht, dass meine Berner Stimme als Auftrag für die SVP Schweiz verstanden wird, die Grenzen des Anstandes oder sogar der Menschlichkeit zu überschreiten… im negativen Sinne natürlich. Und die von mir gewählten Berner haben ja im Moment es nichts zu sagen…
Doch zurück zu Herrn Blocher. Dieser nunmehr doch etwas in die Jahre gekommene Politiker ist eigentlich ein ganz freundlicher Mensch. Als er noch in Bundesbern wohnte begegnete ich ihm zeitweise morgens auf dem Weg zur Arbeit (kurz vor 7.30 Uhr, meistens grad bei der Brunngasse). Er mit schwarzem Hut und Mantel scheute den Augenkontakt nicht und grüsste immer sehr freundlich. Chapeau, muss ich sagen.
Dann aber lese ich in dem Interview in besagter Sonntagszeitung: “Ja, ja, der Stil, der Stil! Ich hätte etwas netter, freundlicher sein sollen.” Das kann ich zwar nicht bestätigen, aber in der Tat wäre ein bisschen weniger Rottweiler-Gehabe dem Politiker und alt Bundesrat Blocher wie übrigens der gesamten SVP (inklusive einiger Berner Protagonisten) gut angestanden. Und weiter: “Wenn ich die Rente (als alt Bundesrat kassiert Herr Blocher Steuergelder) nicht beziehe, geben sie den Chlotz in Bern für Dümmeres aus.” In der Tat kann man Steuergelder für dümmere Sachen ausgeben als für die Rente eines Multimilliardärs – allerdings kommt mir da grad sehr spontan der Begriff “Sozial-Schmarotzer” in den Sinn. Denn auch eine alt-Bundesratsrente ist letztlich nichts Anderes als eine Sozialabgabe für jene Menschen, die beruflich aus dem Tritt geraten sind oder eben den Ruhestand geniessen sollten (gut, beides gilt ja eigenlich auch für den Herrn Blocher).
Bei all dem politischen Unbill bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn die Führungsriege der SVP ist trotz dem neuen jungen Präsidenten hoffnungslos überaltert. Und da arbeitet die Zeit gegen sie. Und wenn diese Riege schliesslich für immer verstummt, gibt es hoffentlich wieder Platz für Vernunft betonte Menschen bei der SVP Schweiz. Dann kann ich vielleicht auch wieder den einen oder anderen SVP-Politiker bzw. -Politikerin in meine Wahlliste einbauen…
April 6, 2008 um 9:18 |
Alles sehr widerlich, in der Tat. Wie lange wird die breite Bevölkerung zuschauen? Die Quittung folgt!