Die Abwahl - wenigstens eine gute Quote

Mit der Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher wurde in Bundesbern Geschichte geschrieben. Und das Schweizer Fernsehen zeigte in einer Dok-Sendung, wer die Fäden für die Abwahl gesponnen hatte. Wir wissen nun, dass SP-Fraktionspräsidentin Ursula Wyss zusammen den Grünen und der CVP das damals unmöglich Erscheinende möglich machte. Und die Protagonisten scheuten sich nicht und gaben bereitwillig vor der Kamera Auskunft über ihr Tun, die Intrige oder eben das Komplott – dies teilweise verbunden mit einer Schadenfreude und Genugtuung, die mich nachdenklich stimmte.
Eines ist schon klar: Nach diesem öffentlichen Outing, nach diesem dokumentierten Triumpfschrei der Linken, der Grünen und der CVP wird die SVP noch schärfer und kantiger politisieren und auch polemisieren. Ich bezweifle aber, dass dies der Schweizer Politik und damit auch unserer Demokratie gut tut. Und es dürfte wohl auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ein Politiker oder eine Politikerin die Contenance verliert und Zustände wie beispielsweise im italienischen Parlament herrschen.
Ganz sicher aber haben sich die vermeintlichen Sieger der Bundesratswahl mit dieser Fernseh-Dok einen Bärendienst erwiesen. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf kommt darin noch schlechter weg, als der SVP je lieb sein kann. Den Vorwurf der Verlogenheit hat sie mit ihrem Stillschweigen nicht entkräftet…
Und die Politikerinnen und Politiker, die mit Wonne über ihr Husarenstück berichteten, müssen sich wohl auch den Vorwurf gefallen lassen, dass sie letztlich mit ihrem Tun nur bewiesen haben, dass in keiner Weise besser sind als ihre politischen Gegner. Gewonnen hat also letztlich nur das Schweizer Fernsehen. Denn die Dok bescherte SF offenbar eine Traumquote, wie heute zu lesen war… Ob das die Schweiz im Herzen Europas wirklich weiter bringt?

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