“Weshalb Blogger nerven” schreibt Heinerika Eggermann, in der Rubrik “StaTT-Geflüster” der heutigen Ausgabe des Thuner Tagblattes.
Der Wortlaut:
“Bloggen mag ich nicht. Die Zeit, die ich benötigen würde, um das System zu kapieren, damit ich meine (Selbst-)Kritik eintöggelen könnte, reicht in meinem Fall aus, um ein Recherchegespräch geführt oder einen Artikel verfasst zu haben. Beispiel dafür ist dieses StaTT-Geflüster. Dennoch gibt es sie mehr und mehr, die unternehmenseigenen Blogs für Mitarbeitende.”
Ich wundere mich stets aufs Neue, woher die Hunderte von Bloggerinnen und Blogger die Zeit hernehmen, sich mindestens im Zwei-Tages-Takt – bei ganz viel Energie reichts sogar für die tägliche Speisung des Blogs – zu ihren jeweiligen Befindlichkeiten äussern zu können. Zitternd loggen sich deren Kollegen auf den jeweiligen Internetforen ein, stets in Erwartung ihrer spitzen Feder, die sich akkurat in unternehmerischer Kritik übt – nur so gut wie nie in der Selbstkritik. So dürfen wir denn lesen, dass der Fasnachtslärm einiger «debilitätsgrenznaher Chesslern» dem ärmsten Blogger die Nachtruhe geraubt habe. Manchmal übt er sich gar in der hohen Kunst der Lyrik: «Das Reh springt hoch, das Reh springt weit. Warum auch nicht? Es hat ja Zeit», versehen mit dem sinnigen Nachsatz: «Nur, damit mal wieder was Neues im Blog steht». Das animiert seine sogenannte Community – also die Fangemeinde oder Arbeitskollegen – zu noch dämlicheren Sprüchen wie: «Man soll das arme Nierenbecken nicht mit kalten Bieren necken.»
Besten Dank, auf derlei Blogeinträge haben wir gewartet! Sie sind der beste Beweis dafür, warum ich mich grösstenteils um die Bloggerei foutiere. Wobei – wenn ich ehrlich bin – dieses StaTT-Geflüster in krassem Widerspruch dazu steht und den zahlreichen Vielschreibern (und Klugscheissern – exgüse) allein durch sein Erscheinen bereits zu viel der Ehre antut. Grämen Sie sich also nicht, geneigte Leser, wenn Sie des Bloggens nicht mächtig sind. Denn seien Sie gewiss: Sie haben nichts verpasst.”
Tja, Heinerika gibt ja mächtig Gas. Ich bin mir noch nicht sicher, ob sie das wirklich ernst meint oder das Ganze ein Versuch ist, ins Satirefach zu wechseln. Angesprochen fühle ich mich als Blogger allemal. Gehöre ich doch gemäss Heine auch zu den “Vielschreibern” und “Klugscheissern”. Also zu jenen, die auf espace.ch oder im eigenen Blog zu verschiedenen Themen ihre Meinung schreiben und unter anderem Beiträge von Redaktorinnen und Journalisten loben oder kritisieren können. Tja, früher waren es “Leserbriefe”, die man nicht zwingend öffentlich machen musste - jetzt aber sind es Blogeinträge, die eben für jedermann sichtbar sind – auch für Heine. Ob da wohl eine geharnischte Konzertkritik nicht so gut angekommen ist… ? Am besten ist, liebe Heinerika Eggermann: nicht mehr lesen und nicht mehr ärgern, und vor allem ignorieren, dass Blogger durchaus ein Spiegel der eigenen Schreibe sein können… exgüse: Aber nicht nur in Blogs wird jede Menge Mist veröffentlicht, manchmal auch in hochprofessionellen Lokalzeitungen
Und wenn sich deine Haare nach der Lektüre dieser Schreibe wieder statisch entladen haben, gehe ich gerne ein Tässchen Tee oder ein Mineral mit dir trinken…
Mai 6, 2008 um 1:33 |
Heinerika Eggermann ist in ihrer Phantasielosigkeit wohl entgangen, dass Schreiben für gewisse Leute schlicht ein Hobby ist. Die meisten Blogger schreiben schlicht und ergreifend gern; Blogs haben ihnen endlich die Möglichkeit gegeben, ihre Werke einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Schreiben war für mich schon immer ein Hobby – oder gar mehr als das. Schon mit fünf hatte ich das Gefühl, eine Zeitung herausgeben zu müssen. Keine Ahnung, wieso – vielleicht liegts in den Genen. Kommunikation liebte ich von Beginn an. Zwischen 10 und 16 machte ich eine eigene Schülerzeitung, die bis zu 180 AbonnentInnen hatte. Möglichst viele Leute zu erreichen gehört wohl auch zu dieser Sucht.
Hand aufs Herz, Frau Eggermann – Ihnen geht es doch ähnlich?
Heute blogge ich unter anderem – weils Spass macht und weil direkte Reaktionen darauf spannend sind.
Damit ist auch erklärt, woher Blogger die Zeit nehmen: Anstatt an Modelleisenbahnen herumzuwerkeln, ihre Briefmarkensammlungen zu pflegen oder ihre Kaninchen an Veranstaltungen zu präsentieren, sitzen sie mit ihren Laptops in Parks, Freibädern, Cafés oder auf ihren Balkonen und frönen ihrer liebsten Tätigkeit – dem Schreiben. Einfach so, weil sie es lieben.
Wenn das Frau Eggermann nervt, soll sie doch (das Internet funktioniert so – was man nicht will, braucht man nicht anzuklicken) einfach keine Blogs lesen. Sie wird dann aber viele kleine Geschichten verpassen, die sie zu wirklich guten Kolumnen verarbeiten könnte.
Und spätestens seit meiner Holunderblütensirupstory, die nota bene u.a. die BZ nachgezogen hat, soll niemand mehr sagen, Bloggen sei sinnlos, verpuffe in den Weiten des Netzes und bewirke ohnehin nichts.
Mai 6, 2008 um 4:08 |
Gut gebrüllt Andi, genauso muss und soll es sein! Die Frau Eggermann fürchtet wohl die Konkurrenz…
November 27, 2008 um 6:11 |
Printjournalisten fühlen sich vom Internet in die Enge getrieben. Blogs und Portale sind eine klare Konkurrenz zu den Zeitungen. Dank dieser Technologie wird das Kommunizieren einfacher, so steigt für Schreibende die Gefahr, kritisiert zu werden. Dies steigert aber die Qualität für uns Lesende.
Wer weniger gute Arbeit leistet, wer auf das Monopol Zeitung angewiesen ist, der beginnt zu bellen. Im obigen Falle vernehmen wir ein sehr lautes Bellen, was von viel Angst zeugt, zu recht…
Ein Beispiel:
Am 22.11. 2008 schreibt Frau Heinerika Eggermann über die Fundraising Aktion der Stadt Thun, mit welcher einen Film über Thun finanziert werden soll.
Sie spricht nicht mit uns als Produzenten des Filmes, weisst aber trotzdem auf die fehlende Erfahrung als Filmemacher hin. Quasi als Beweis, dass Sie auch sonst nicht recherchiert hat, schreibt sich meinen Namen falsch.
In gleichen Artikel schreibt Sie, die Kaba Ausstellung habe 1943 stattgefunden. Ohne grosse Geschichtskenntnisse weiss aber jeder, dass in den Kriegsjahren wohl kaum eine Ausstellung gemacht worden ist. Korrekt hat die KABA Thun 1949 stattgefunden, was Herr Alder und wir auch zweimal erwähnten und zudem auf den Folien Stand.
Frau Eggermann; Im Null Sekunden kapieren Sie auch das einfachste Blogging Tool nicht.
Mein Rat an die Verantwortlichen des Thuner Tagblattes: Stellen Sie mehr Blogger ein!