FC Thun: Alles richtig gemacht???
“Ich habe alles richtig gemacht”, zitieren die Espace Medien FC-Thun-Trainer René van Eck. Er glaubt im Interview nach dem Debakel gegen die Zürcher Grasshoppers tatsächlich, dass der FC Thun noch den sportlichen Turnaround schaffen wird. Eines muss man ihm lassen: Entgegen dem immer grösser werdenden Teil kritischer Fans, gibt sich der Holländer selbstbewusst - was ja eigentlich nicht schlecht ist bzw. sein muss.
Allerdings schreibt der Sportjournalist Fabian Ruch, der das Interview geführt hat, in einem gleichentags erschienen Kommentar Folgendes:
“Der FC Thun steuert ungebremst der Challenge League entgegen. Der mutlose Auftritt beim 0:4 in Zürich gegen GC war eine sportliche Bankrotterklärung. Den Spielern sind dabei nur bedingt Vorwürfe zu machen. Zu limitiert sind die Fähigkeiten eines Teams, das mit drittklassigen Ausländern besetzt ist. Erschreckend sind die Fehler der Verantwortlichen.
Trainer René van Eck stellt Spieler auf ungewohnte Positionen, ändert ständig die Aufstellung und verunsichert damit die Spieler. Am Samstag sass überraschend Nelson Ferreira, bester und konstantester Spieler in dieser Saison, 90 Minuten auf der Bank. Er wurde wie Andres Gerber, die andere Identifikationsfigur, demontiert.
Das Vorgehen Van Ecks und des mächtigen Sportchefs Reto Gertschen ist schwer nachvollziehbar und fragwürdig gegenüber Verein, Spielern, Sponsoren und Anhängern. Solange der Klassenerhalt mathematisch möglich ist, muss der FC Thun in der bestmöglichen Formation antreten.
Der rasante Niedergang Thuns ist traurig und wurde teilweise durch unglückliche Vorfälle im Vorstand beschleunigt. Die eklatanten kommunikativen Mängel der Verantwortlichen sind damit aber nicht zu entschuldigen. Der FC Thun wirkt führungslos und orientierungslos. Trainer Van Eck und Sportchef Gertschen unterliegen offenbar keiner Kontrolle.
Dabei wäre es höchste Zeit, trotz finanzieller Schieflage ein Zeichen – und auf neue Kräfte – zu setzen. Schliesslich steht am Samstag in Neuenburg gegen Xamax ein Spiel der möglicherweise bereits letzten Chance auf dem Programm.”
Der Druck wird immer grösser für den FC Thun. Dieser Druck wird wohl erst abnehmen, wenn der FC Thun entweder sportlich wieder Leistungen erbringt oder ein neuer Trainer die sportlichen Geschicke zu leiten versucht oder der Vorstand die Konsequenzen zieht und zurück tritt (inklusive natürlich Sportchef Gertschen). Allerdings dürfte der FC wohl auch in den nächsten Partien kaum eine Wiederauferstehung zelebrieren und plötzlich siegen (ich entschuldige mich gerne, wenn das Gegenteil passiert). Und dass der Vorstand in corpore zurücktritt oder den Sportchef in die Wüste schickt, ist aus meiner Sicht unwahrscheinlich…
Bleibt also nur noch der Kopf des Trainers. Dadurch erhalten nämlich die FC-Thun-Verantwortlichen eine kurze Verschnaufpause - bis höchstens Ende Saison. Dann dürfte die Sponsoren, die sich bisher öffentlich vornehm zurückhielten, Forderungen stellen oder sich gar vom FC Thun distanzieren. Und wenn dieser Fall eintritt, dürfte wohl auch der grosse Wechsel in der Führung des FCT anstehen.
Vielleicht ist es deshalb auch gar nicht soo schlecht, wenn der Thuner Fussballklub mit seiner neuen Crew erst einmal in der Challenge League Erfahrungen sammelt - und sich wie vorher als Underdog wieder die Sympathien vieler Sportfans erkämpft…